HEIMAT- UND GESCHICHTSVEREIN FINTHEN e.V.

Die französische Epoche

is - Mit der Aufteilung des "Reiches" in Besatzungszonen fällt Finthen unter französische Oberhoheit. Aus den Kriegsgegnern  und Besatzern, werden später Verbündete, die 13 Jahre bleiben. 

Juli 1945 Die französische Besatzungsmacht besetzt den Flugplatz mit bislang unbekannten Einheiten. Sie finden teilweise ein Trümmerfeld vor. Die noch intakten Gebäude werden genutzt, parallel beginnt der Wiederaufbau. Die Werft und der südliche Hangar im westlichen Teil des Platzes werden aus den Trümmern heraus neu errichtet und ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt. Dazwischen wurden in U-Form eingeschossige Unterkünfte für die einfachen Mannschaftsgrade geschaffen. Zwei große Wellblechhallen südlich des kleinen Wäldchens auf Wackernheimer Gebiet folgen. Sie dienen als Hangars.

Die weiteren Hangars der Luftwaffe liegen nach wie vor in Trümmern. Sie werden erst wesentlich später durch die Amerikaner neu errichtet. Zuzüglich dienten einige Wellblechhütten als Munitionsdepot. Es gibt auch noch weitere, kleinere Funktionsgebäude, die heute nicht mehr existieren, z.B. eine Kammer für Fallschirme. Drei Wachtürme vervollständigen die Anlage, die nur teilweise eingezäunt war. Die wohl wichtigste Veränderung des Geländes bestand in der Anlage der 1km langen Landebahn aus Asphalt. Sie wird noch heute genutzt. Der Flugplatz mit den Schulmaschinen, im Hintergrund einer der drei Wachtürme Foto:Jacques Zanghi Die in dem Flugplatzareal liegenden Ackerbauflächen können von ihren Besitzern weiterhin genutzt werden.

1946 wird eine Flugkadettenschule auf dem Gelände etabliert. Zwar wird der Name mehrmals verändert, aber Ihre Aufgabe ändert sich im Wesentlichen nicht. Zur Wartung und Instandhaltung beziehen entsprechende Einheiten Quartier. Was aus den Baracken der Luftwaffe am Beller-Weg und mit dem ehemaligen Sanitätsgebäude geschieht, ist nicht geklärt. 1946 müssen sie noch weitgehend unzerstört gestanden haben. Es ist davon auszugehen, dass Sie von den Franzosen niedergelegt werden, wahrscheinlich liegen sie ihnen zu außerhalb.

1946 kann der Layenhof wieder als landwirtschaftliches Gut genutzt werden. Die Franzosen können mit dem Gut offensichtlich nichts anfangen und gestatten eine Verpachtung, allerdings unter dem Vorbehalt, dass Sie das Gut jederzeit und ohne Angaben von Gründen wieder für ihre Zwecke konfiszieren können. Die Gemeinde Finthen tritt als Pächter auf und verpachtet unter. 1946 ist das Gut an drei Parteien unter verpachtet, 1947 für drei Jahre an den Viehhändler Adam Wolf.

1949/50 wird der Layenhof ohne Angaben von Gründen von den Franzosen für den eigenen Bedarf beansprucht. Wofür sie ihn benötigen, ist unklar. De facto ist dies nach einer kurzen Renaissance das endgültige Aus für den landwirtschaftlichen Betrieb. Was nun mit dem Hof genau geschieht, entzieht sich nach wie vor unserer Kenntnis. Der Hof liegt im südlichen Teil des Flugplatzes, der später auch von amerikanischen Einheiten zu Übungszwecken genutzt wird. Auf einem Foto von 1957 fehlen in der Villa bereits die Fenster, Damit ist klar, dass der Hof zu diesem Zeitpunkt bereit nicht mehr als Wohnunterkunft dienen kann.

Im September 1952 kann der im gleichen Jahr neu gegründete Luftfahrtverein Mainz seinen Flugbetrieb auf dem südlichen Teil des Finther Flugplatz aufnehmen. Ausgestattet ist er mit dem Schulgleiter SG 38 und dem neu erworbenen Focke-Wulf Kranich III, einem Hochleistungsdoppelsitzer. Ein Jahr später kommt der Doppelraab für die Anfängerschulung hinzu.

1956 errichten die Franzosen noch einmal ein neues Gebäude. Auf einer ehemaligen Ackerfläche innerhalb des Geländes entsteht ein Casino für Offiziere und Unteroffiziere. Heute ist das Gebäude das Domizil der Schule für Clowns.

Geschichte der Flugschule

Die Daten zur Geschichte der Flugschule verdanken wir im dem französischen Journalisten CHRISTIAN MALCROS, der Internetseite zu dem Thema im WWW unterhält. Dort finden Sie auch zahlreiche Bilder

Le CPOA (Cours Pratique d’observation aerienne) wird im Oktober 1945 in Wackernheim durch die Zusammenlegung verschiedener Einheiten und Teileinheiten gegründet. Dazu wurden die Flugschule des Heeresflieger (l’éocle d’aviation d’artillerie), Pelotons (Züge) des RACL (régiment d'artillerie coloniale du Levant) und des 69ten RAM (régiment d'artillerie de marine), sowie Sektionen der 1. und 2. CA vereint. Aufgabe ist die Ausbildung von Piloten zur Luftaufklärung für die Artillerie. Die so entstandene Staffel verfügt über 18 Piper L-4, sowie 2 Morane 500 (Fieseler-Storch) Flugzeuge.

1946 wird die CPOA - wahrscheinlich nach Beseitigung der schlimmsten Kriegsschäden - nach Finthen auf das Areal des ehemaligen Fliegerhorstes verlegt.

1952/53 werden die ersten Piloten der Schule in Indochina zu realen Einsätzen abkommandiert.

1953 entsteht die ES.ALOA (Ecole des Specialisation de l’aviation legere d’observation d’artillerie)ntstand durch die Umbenennung der CPOA. Die ES.ALOA bildet hunderte von Piloten pro Jahr aus.

1957 wird die ES.ALOA am 30. April aufgelöst, um am 1. Mai die ES.ALAT (Ecole de specialisation de l‘aviation legere de l’armée de terre) zu gründen. Dies geschieht durch die Zusammenlegung der ES.ALOA und der Groupe d’helicopteres Nr.1. Hauptstandort ist Dax/Südfrankreich. Dort sind sowohl Flugzeuge, als auch Hubschrauber stationiert. Ein Nebenstandort mit Hubschraubern befindet sich in Luc. Auch Finthen dient nur noch als provisorischer Nebenstandort, hier sind nach wie vor Flugzeuge stationiert. Einen weiteren provisorischen Standort mit Hubschraubern gibt es in Tarbes/Frankreich. Insgesamt besteht die ES.ALAT aus 37 Offizieren, 133 Unteroffizieren und 100 Männern mit einfachem Mannschaftsgrad. Außer der Flugschule befinden sich ab 1956 noch Instandhaltungseinheiten in Finthen. Die 671ème Compagnie de Réparaton war bis dahin in Wackernheim stationiert. 1956 bezieht diese Einheit die von den Franzosen wieder aufgebaute Werft der Luftwaffe, im nördlichen Teil des Platzes. Analog zum Namen der Flugschule heißen sie 671ème CR.ALOA (Compagnie de Réparation de l’aviation legere d’observation d’artillerie) und ab 1957 dann CR.ALAT (Compagnie de Réparation de l‘aviation legere de l’armée de terre).

1958, am 15. Juli werden die in Finthen stationierten Einheiten nach Dax verlegt. Damit endet nach knapp 13 Jahren die französische Präsenz in Finthen. Am 1. August folgen die Einheiten aus Wackernheim. Die Flugschule existiert nach wie vor in Dax als EA.ALAT.