HEIMAT- UND GESCHICHTSVEREIN FINTHEN e.V.

Einleitung

Der ehemalige Wasserreichtum Finthens wird bereits im Ortsnamen deutlich, der sich nach sprachwissenschaftlichen Untersuchungen aus dem vulgärlateinischen Begriff „fundanetum“ (Quellgebiet, Gebiet von Quellen) ableitet.

Durch die vielfältige Einwirkung des Menschen hat sich diese Situation erheblich verändert. Schon in römischer Zeit wurden Quellen gefasst und über eine wahrscheinlich am Königsborn beginnende Wasserleitung zur Versorgung von Mainz genutzt. Gleichzeitig begann der Raubbau am Wald mit damit verbundenen Nachteilen für den Wasserkreislauf.

Dieser Prozess setzte sich über die folgenden Jahrhunderte fort, die Finther Gemarkung ist heute fast vollständig frei von Wald, der Grundwasserspiegel ist gesunken. Die Kanalisation und Begradigung von Bächen, die Einleitung an Abwässern, die Fassung der Quellen zu Brunnen und die Flächenversiegelung beschleunigten den Prozess.

Als Folge ist der einst namensgebende Wasserreichtum heute kaum mehr sichtbar, die Quellschüttungen gehen zurück, Bäche liegen zum Teil trocken. Den beschleunigten Abfluss des Regenwassers versucht man mit Rückhaltebecken zu kontrollieren.

 

Der Quellhorizont

Finthen liegt an den nördlichen Ausläufern des Rheinhessischen Hügellandes am Nordrand einer kleineren Hochfläche. Auf dieser versickert das Regenwasser, bis es auf wasserundurchlässigen Schichten trifft und an deren Abbruchkanten austritt.

Dieser Quellhorizont befindet sich in einer fast durchgängig gleichen Höhe von ca. 175 Metern über Normalnull. Die bekannteste Quelle des Horizontes, die Karlsquelle, liegt in der benachbarten Heidesheimer Gemarkung und diente zur Versorgung der Ingelheimer Kaiserpfalz. Im Uhrzeigersinn folgt die Quelle an den sogenannten Sieben Weihern.

In der Finther Gemarkung gehören der Bernhardsborn, der (historische) Königsborn, die Quelle des Königsbornbachs, die Quelle des Kirchborns, der Ferkelborn und der Straßenborn zu dem Quellhorizont. Ferkelborn und Straßenborn sind nicht mehr sichtbar. Während der Ferkelborn nur als Flurname exitistiert, kann der Straßenborn anhand einer Karte von 1868 noch lokalisiert werden.

 

Die Bäche

Ursprünglich gab es drei Bäche, den Königsbornbach, den Kirchborn und den Aubach. Hinzu kommen sogenannte Flut- bzw. Wildgraben im Oberlauf und Unterlauf des Aubachs. Im Bereich der drei Bäche finden sich jeweils vor- und frühgeschichtliche Besiedlungsspuren.

 

 

Der Kirchborn

Der Kirchborn, mit ursprünglich 700 Metern der kürzeste der drei Finther Bäche, ist fast vollständig aus dem Ortsbild verschwunden. Lediglich die spärlich fließende Quelle, nördlich des Alten Friedhofs an der Katholischen Kirche und ein Teil des Oberlaufs sind an einer öffentlich nicht zugänglichen Stelle vorhanden.

Ursprünglich floss er nördlich, außerhalb des Ortskerns in leicht Nord-Östliche Richtung, querte die Borngasse, den Kühweg (heute Waldthausenstraße) und mündete im Bereich der heutigen Kreuzung Poststraße/Gonsenheimer Landstraße/Aubachstraße/in den Aubach.

An der Stelle, wo er die Borngasse querte, wurde er zu einer Pferdewaschanlage ausgeweitet, die gleichzeitig als Löschwasserteich diente. Mit der Anlage des Finther Bahnhofs 1892, heute Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 50, wurde zunächst nur der die Bahnanlagen querende Teil des Baches kanalisiert.

In den sechziger Jahren wurde der Bach mit dem Bau der Straße „Am Kirchborn“, die seinem Verlauf folgt, vollständig verrohrt und in das Abwassersystem eingeleitet.

 

Der Königsbornbach

Die Bezeichnung Königsborn steht als Synonym für ein gesamtes Gebiet und wird sowohl für ein Wohngebiet, ein historisches Siedlungsgebiet, eine Quelle, als auch für den gleichnamigen Bach verwendet. Die folgenden Erläuterungen beziehen sich auf den Bach.

Der Königsbornbach entspringt weit außerhalb des historischen Ortskerns ca. 700 m Luftlinie nord-westlich der Katholischen Kirche. In einer Länge von etwa 1,1 km fließt er ähnlich dem Kirchborn in leicht nord-östliche Richtung und mündet ca. 120 m fast westlich der ehemaligen Jungenfeldschen Mühle, dann Konservenfabrik, heute Fontana-Klinik, in den Aubach, der ab der Gonsenheimer Gemarkung Mühlbach bzw. Gonsbach genannt wird und bei Mombach in den Rhein mündet.

Der Königsborn quert analog zum Kirchborn die Borngasse, die Waldthausenstraße (einst Kühweg) und zusätzlich die Straßenbahnlinie 50. Der Bach ist in seinem Lauf weitgehend natürlich belassen bzw. renaturiert. In seinem Unterlauf, vor der Mündung in den Aubach, lag ein ausgedehntes, zum Teil sumpfiges Feuchtgebiet, auf das heute nur noch ein künstlich angelegter Teich hinweist.

Quelle und Oberlauf des Baches liegen in Bereich privater Kleingartengelände bzw. im Bereich privater Grundstücke und sind öffentlich nicht zugänglich. Der Unterlauf hingegen dient mit angrenzenden Grünflächen der Naherholung.

Historisch wird der Königsborn und damit auch der Bach als Ausgangspunkt der römischen Wasserleitung nach Mainz angesehen. An der Stelle, wo der Bach einst den Kühweg querte, stand eine Mühle zur Gewinnung von Stärke, aus der später die Brauerei am Königsborn hervorging.

 

Der Aubach

Der Aubach ist der größte Finther Bach, der nach dem Kirchborn die meisten Veränderungen erfahren hat. Die historische Quelle des Aubachs ist nicht genau definiert. Ursprünglich wurde er aus zwei Zuläufen gespeist. Ein namenloser Zulauf entsprang südlich des ehemaligen Finther Waldes bzw. westlich des ehemaligen Hofguts Layenhof, heute Wüstung, und mündete nach einer kurzen Strecke im Bereich des heutigen Regenrückhaltebeckens in den Flutgraben. Dieser hatte seinen Ursprung im Ober-Olmer Wald. Auf heutigen Stadtkarten wird der Flutgraben als Aubach bezeichnet. Davon ausgehend ergibt sich eine Länge von vier Kilometern bis zur Vereinigung mit dem Königsborn. Tatsächlich liegt der gesamte Oberlauf des Baches fast das ganze Jahr trocken und wird nur bei starken Regenfällen geflutet.

Erst im Bereich der Flurstücke „Große Born“ und „Kurze Borngewann“ werden gefasste Quellen in den Aubach eingeleitet, wodurch der Bach ab diesem Abschnitt kontinuierlich Wasser führt. Damit reduziert sich die Länge des Baches auf 2,1 km. Im Bereich des Bürgerhauses wird eine zweite gefasste Quelle eingeleitet, deren Ursprung nicht mehr bekannt ist. In Anbetracht der historischen Situation dürfte es sich um den ehemaligen Straßenborn handeln.

Der Aubach ist in großen Teilen kanalisiert oder verrohrt. Nur ein kleiner Teil wurde renaturiert. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde der Bach zum Teil durch den Ort geleitet.

Während der Aubach westlich außerhalb des historischen Ortskerns vorbeifloss, wurde im 18- Jahrhundert im Bereich des Flurstücks „Kurze Born“ ein Kanal abgezweigt und auf der westlichen Seite der heutigen Poststraße bis zur heutigen Waldthausenstraße durch den Ort geführt. Dort bog der Kanal nach Nord-Westen ab, um in den Kirchborn eingeleitet zu werden. Das offen fließende Wasser dürfte hauptsächlich zur Versorgung des Nutzviehs gedient haben, bis Finthen 1900 sein eigenes Wasserwerk erhielt und den Kanal überflüssig machte.

Zur Versorgung einer Mühle, wurde in etwa gegenüber der heutigen Einmündung der Thüringer in die Gonsenheimerstraße ein Mühlgraben abgezweigt. Ab dieser Abzweigung wird der Aubach auf älteren Karten als Wildgraben bezeichnet, weshalb die darüber führende Autobahnbrücke auch Wildbachtalbrücke und nicht Gonsbach- oder Aubachtalbrücke heißt. Die Mühle hatte je nach Besitzer unterschiedliche Namen, die bekanntesten sind Jungenfeld- und Simonsmühle. Das Wasser wurde zur Königs- oder oberen Aumühle, die bereits in Gonsenheimer Gemarkung liegt, durch geleitet und von dort in den Bach zurück, der an dieser Stelle Mühlbach oder auch Gonsbach genannt wird.

Am Zusammenfluss von Königsborn und Aubach bzw. Wildgraben war das Gebiet insgesamt sehr feucht und zum Teil sumpfig. Der Wildgraben wurde namensgebend für die Wildgrabenbrücke der A 60. Heute befindet sich dort ein Rückhaltebecken, um die bei starken Regenfällen schnell anfallenden Wassermassen zu regulieren, was nur bedingt gelingt. Am Auslauf des Beckens hat sich der Bach unnatürlich tief in die Erde eingegraben und verbreitet.