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Finthen

Vom Bauerndorf zum Stadtteil

Willkommen im Finher Geschichtsportal! Hier finden Sie Beiträge und Aufsätze zu den Themen Geschichte, Geschichten und Heimatkunde, gegliedert in mehrere Katagorien und Unterkategorien.

 
 
 

Geboren wurde er am 25.12.1897 als jüngster von 8 Geschwistern in einer in Fehlheim lebenden Bauernfamilie. Sein Heimatpfarrer Helbig erkannte seine Begabung und bereitete ihn innerhalb von 3 Jahren auf den Besuch des Gymnasiums im benachbarten Bensheim an der Bergstraße vor. Der Weg von Fehlheim zum Gymnasium betrug 7 km und musste täglich und bei jeder Jahreszeit zu Fuß zweimal bewältigt werden. Es gab keine Zugverbindung und Schulbusse waren noch unbekannt.

1916 beendete er die Gymnasialzeit mit dem Maturum (heute: Abitur). Sein angestrebtes Theologiestudium konnte er aber nicht beginnen, da er unmittelbar nach Absolvierung des Gymnasiums zum Militär eingezogen wurde. Als Vizefeldwebel wurde er nach Kriegsende 1918 aus dem Militärdienst entlassen.

Im Frühjahr 1919 konnte er mit dem Eintritt ins Priesterseminar in Mainz sein Theologiestudium beginnen, das er mit der Priesterweihe (Bischof Hugo) am 17.03.1923 abschloss. Wegen der französischen Besatzung von Mainz konnte niemand seiner Angehörigen zur Priesterweihe nach Mainz kommen.

Als Kaplan wirkte er zunächst ab 1923 zweieinhalb Jahre in Viernheim, wurde dann nach Lampertheim versetzt, wo er zwei Jahre tätig war. Krankheitshalber war er in der Zeit von 25.01. – 01.03.1928 zur Erholung im Priesterheim Drais (es war dort, wo sich heute das Draiser Altersheim befindet). In dieser „Erholungszeit“ war er gleichzeitig Hausgeistlicher des Priesterheims und half auch in Finthen im Beichtstuhl aus. Es schloss sich danach ein Vierteljahr Aushilfstätigkeit als Kaplan in Ebersheim an. Ab 01.07.1928 war er zunächst als Kaplan, ab 15.08.1932 als Pfarrvikar und am 01.11.1932 als Pfarrer in Gau-Weinheim seelsorgerisch tätig. Dort stand der Bau einer neuen Kirche an, da die alte baufällig geworden war. Mit mehr als 170.000 Bettelbriefen stellte er die Finanzierung sicher und so konnte 1930 der Kirchenbau und 1933 der Bau des Pfarrhauses abgeschlossen werden. Daneben war er 1932 Pfarrverwalter in Vendersheim.

 

Pfarrer in Finthen

Am 16.05.1936 wurde er Pfarrer in Finthen und der Filiale Drais. Zusammen waren 4.000 Katholiken zu betreuen. Dies tat er unermüdlich und mit großem Engagement. Seine Ablehnung des Nationalsozialismus, die er in seinen Predigten mutig vertrat, brachte ihm eine Vorladung zur Gestapo-Zentrale in der Kaiserstraße in Mainz ein. In seiner Zeit gab es jeden Sonntag 3 Messfeiern: Eine 6.30 Uhr, 8.00 Uhr und 9.30 Uhr und eine Nachmittagsandacht verbunden mit sogenannter Christenlehre, in der Glaubensinhalte ausführlich dargestellt wurden. Seine große Sorge galt immer Armen und Kranken. Er war zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit, Kranke zu besuchen und Ihnen die Beichte abzunehmen, ihnen die Kommunion zu spenden und Sterbenden beizustehen.

In den Kriegsjahren korrespondierte er regelmäßig mit den aus der Pfarrei stammenden Soldaten über ihre Feldpostnummer und gestaltete eine Gedenkstätte für die im Kriege Gefallenen (Soldatengrab). Vor einem Birkenkreuz lag auf einer kleinen Säule ein Stahlhelm. Ähnlich einem Grab wurden dort auch Blumen und Kränze abgelegt. In der Weihnachtszeit umgrenzten mittelgroße Fichten das symbolische Grab. Zu Zeit von Pfarrer Lambert hatte die Kirche innen ein wesentlich anderes Aussehen als heute. Pfarrer Lambert predigte immer von der damals noch existierenden Kanzel ohne Mikrofon und Lautsprecher. Sowohl er als auch seine Vorgänger waren dennoch im gesamten Gotteshaus gut zu hören.

Die Pfarrei Finthen verdankt Herrn Pfarrer Lambert die holzgeschnitzte Weihnachtskrippe des Bildhauers Wohlfahrt in Groß-Steinheim, sowie die vom gleichen Künstler geschaffenen Statuen des heiligen Bruder Konrad, der wie Pfarrer Lambert die Hungrigen speiste und die Statue des Herzens Jesu mit Maria Margaretha Alacoque. Beide Statuen stehen heute nicht mehr im Gotteshaus. Die Marienverehrung spielte bei Pfarrer Lambert eine große Rolle. Es gab fast keinen Gottesdienst, bei dem nicht Marienlieder gesungen wurden.

Mit vielen Wallfahrten, vorwiegend nach Marienthal im Rheingau, erbat er durch die Fürsprache Mariens Gott um Hilfe in einer schweren Zeit. 1943, nachdem schon mehrere Bombenangriffe auf Mainz erfolgt waren und die Bombeneinschläge in der Finther Gemarkung bedrohlich näher kamen, gelobte Pfarrer Lambert mit der Pfarrgemeinde eine jährliche Wallfahrt im Mai nach Marienthal, wenn Finthen von Kriegsschäden verschont bleiben würde. Dass Finthen verschont blieb, führen gläubige Katholiken auf dieses Gelöbnis zurück und wallfahren dankbar im Mai nach Marienthal. #

Pfarrer Lambert war in der Nacht vom 20. zum 21.03.1945 in akuter Lebensgefahr, als eine Granate von einem amerikanischen Panzer abgeschossen, in das aus dem Jahre 1683 stammende Kreuz am Turm einschlug, wo Pfarrer Lambert in Bruchteilen von Sekunden vorher vorbeigegangen war und gerade eben die Tür zum Turmaufgang erreicht hatte, als die Granate explodierte. Auch in dieser unruhigen gefährlichen Nacht war Pfarrer Lambert, wie immer, furchtlos unterwegs bei einem Versehgang um einem Sterbenden priesterlichen Beistand zu leisten. Auch die jährlichen Einkehrtage - die auch in Drais durchgeführt wurden – in denen Religionswissen und Vertiefung des Glaubenslebens gelehrt wurden, lagen Pfarrer Lambert sehr am Herzen und wurden regelmäßig von vielen Hundert Katholiken wahrgenommen. Nach dem Kriege ließ Pfarrer Lambert ein elektrisches Läutewerk in den Turm einbauen. Das Läuten von Hand war vorbei.

Am 24. Mai 2010 gedachten wir des 50. Todestages von Pfarrer Lambert. Herr Prof. Dr. med. Benno König schrieb aus diesem Anlass diese Würdigung.


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