Bollwerk Mainz - Die Selzstellung in Rheinhessen

Bollwerk Rheinhessen14.12.2013 · Eine Buchrezension von Ingo Schlösser · 2014 jährt sich zum 100. Mal der Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Als Symbol des weltumfassenden Irrsinns gilt der martialische Stellungskrieg an der Westfront, der Millionen von Menschen den Tod brachte. Ganze Dörfer und Landschaften wurden derart nachhaltig verwüstet, dass noch bis heute die Spuren des Krieges deutlich zu erkennen sind. Es hätte auch unsere Region treffen können, denn nach den Vorstellungen des deutschen Kaisers und der Berliner Generäle war auch Rheinhessen als möglicher Kriegsschauplatz im Rahmen des Schlieffenplans vorgesehen.

Ein Schlachtfeld am Rhein. Ein Krieg in den Weinbergen. Vorbereitet hierfür war alles. Das soeben im Morisel-Verlag erschienene Buch "Bollwerk Mainz - Die Selzstellung in Rheinhessen" beleuchtet genau diese Aspekte. Es schließt damit eine wichtige Lücke in der Mainzer Festungsgeschichte und verdeutlicht darüber hinaus in welchen räumlichen Dimensionen Rheinhessen und seine Dörfer in den Ausbau der Mainzer Festung mit einbezogen wurden.

In jahrelanger Detailarbeit haben die Autoren Rudolf Büllesbach, Hiltrud Hollich und Elke Trauthahn in verschiedenen Archiven und vor Ort recherchiert und bisher unbekannte Dokumente, Karten und Fotos entdeckt. Das Buch überzeugt durch seine inhaltliche und handwerkliche sehr hohe Qualität. Trotz des schwierigen, speziellen Themas ist es ist in einer sehr gut verständlichen Sprache geschrieben und wird Dank der reichhaltigen Bebilderung an keiner Stelle zu abstrakt. Im Gegenteil"Bollwerk Mainz - Die Selzstellung in Rheinhessen" entführt es uns in unsere Heimat vor 100 Jahren, an Orte.

Vor allem aber verdeutlicht es eindringlich mit welcher eigenartigen Selbstverständlichkeit und eiskaltem Kalkül der Militarismus des Kaiserreichs, die mögliche Zerstörungen unserer Region in Kauf genommen hätte. Der Erste Weltkrieg, er hätte mit allen Konsequenzen unmittelbar vor unserer Haustür stattfinden können! Eine Schlacht um Mainz, analog zu den Schlachten an der Westfront, bei einem solchen Szenario kann sich der geeignete Leser mit Leichtigkeit ausmalen, was es für Rheinhessen und seine Dörfer bedeutet hätte. Und das ist die eigentliche, wichtige Erkenntnis des Buches.

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