Imposante Funde bei Grabung

Jungenfeldmuehle Grabung 220Juli 2012 · is ·Die Archäologische Grabung auf einem Teil des Areals der Jungenfeldmühle ist abgeschlossen. Es war die größte ihrer Art in Finthen, seit über 60 Jahren!

Nach dem Abriss des letzten Gebäudes der ehemaligen Jungenfeldmühle im März 2012 war klar, dass der Bagger in tieferen Schichten unweigerlich auf weitere Relikte der Mühle stoßen musste.
Es verwunderte daher nicht, dass noch im gleichen Monat ein Gewölbekeller angeschnitten wurde, was die Landesarchäologen auf den Plan rief. Ab diesem Zeitpunkt grub sich der Bagger unter Aufsicht der Landesarchäologie und in Absprache mit dem Bauherrn Schicht für Schicht tiefer.

In einer Tiefe von etwa 2,5m unter dem heutigen Bodenniveau war die Fläche des zur Mühle gehörenden Innenhofes erreicht worden. Zeitlich konnte sie dem 17/18. Jahrhundert zugeordnet werden, also in die Zeit in der die Mühle zum Besitz des Mainzer Weihbischof Edmund Gedult von Jungenfeld gehörte und der Namensgebend für die Mühle wurde.

Im Hof hatten sich Reste des Pflasters aus Feldsteinen, die Fundamente der Umfassungsmauer, sowie die Keller und Fundament eines Schuppens und der Scheune erhalten. Bei Letzterer konnte auch der Eingangsbereich festgestellt werden, ein alter Mühlstein diente als Trittstufe.

Der imposanteste Befund war ein Wasserkanal, der das über den Mühlbach heran geführte Wasser vom Wasserhaus aus unter dem Hof durchleitete. Mit einem Schnitt konnte seine Höhe von weit über zwei Meter festgestellt werden. Der Kanal selbst war über die Jahrhunderte in mindestens fünf Bauabschnitten immer wieder an das Gelände angepasst und ergänzt worden. So errichte er schließlich seine endgültige Höhe. Scherbenfunde deuten auf seine Errichtung im 14. Jahrhundert hin, die genauen archäologischen Bewertungen stehen jedoch noch aus. Sollte sich dieser Befund bestätigen, könnte die Jungenfeldmühle mit der ersten erwähnten Mühle in einer Urkunde von 1356 übereinstimmen.

Unser Mitglied Ingo Schlösser, der zur Zeit das Thema Mühlen in Finthen bearbeitet, kannte Grundrisse des Geländes aus dem 19. Jahrhundert und wies die Landesachäologin Fr. Dr. Witteyer entsprechend darauf hin. Diese Pläne stimmen weitgehend mit den archäologischen Befunden überein. Um so überraschender war die Entdeckung zweier Häuserfundamente, die links und rechts der Zuwegung noch vor der Umfassungsmauer der Mühle positioniert und auf keiner Karte verzeichnet waren. Leider konnten hier nur die Ecken freigelegt werden, weitere Reste dürften sich noch unter der Gonsenheimer Landstraße befinden, wie an Hand des Grabungsprofils auszumachen war.

Mit Spannung erwarten wir deshalb die Grabungsberichte der Archäologen. Leider endete die Grabung im Juli dieses Jahres, tiefere unter dem Mittelalter liegende Schichten konnten nicht untersucht werden. Das wird den zukünftigen Generationen vorbehalten bleiben, wenn vielleicht in etlichen Jahrzehnten das jetzt entstehende Gebäude abermals durch einen Neubau ersetzt werden wird.

Die fotografische Dokumentation der Grabung wurde durch Ingo Schlösser gewährleistet, einen Teil davon finden Sie unserer Online-Galerie.

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