HEIMAT- UND GESCHICHTSVEREIN FINTHEN e.V.

Januar 1952

Neujahr: Die Schoppesänger bringen nach 12 Uhr dem Bürgermeister ein musikalisches Ständchen. „Albert Becker schreibt: “Bei einem Glas Wein mit Dirigent Peter Hefner, der die Schoppesänger zu dem gemacht hat, was sie heute sind, nämlich zu Freudenspendern, gewannen wir den Eindruck, dass sie für die kommende Fastnachtszeit aufs beste gerüstet sind.“

Die Radfahrer feiern an Neujahr in der Krone mit Musikstücken und den beiden Stücken „Das Testament“ und dem Theaterschwank „Familie Hannemanns“ in drei Aufzügen. Zum Einsatz kam die Lautsprecheranlage der Firma Elektro Becker, die man dort mieten kann.

Am Bahnhof wird ein neues Wartehäuschen mit Verkaufsraum für Zeitschriften, Rauchwaren, alkoholfreie Getränke, Süßwaren sowie Fahrkarten gebaut. Gesucht wird ein Pächter, der auch die Toilette pflegt. Die Verkaufsstelle wird betrieben von Albert Hellmann (1962) und in späteren Jahren von einem Herrn Christophel.

Der 20. Januar bringt die erste Sitzung des FCV. Präsident ist Karl Ries (Charly de la Hopp).

 

Februar 1952

Die evangelische Kirche bittet den Rat um ein Grundstück zum Bau einer evangelischen Kirche. Es gibt eine Option für ein Grundstück, das oberhalb der Gemeindehäuser am Weisel bereitgehalten werden soll. ( bis dato müssen sich die Evangelischen in der Schule treffen und später wird tatsächlich die evangelische Kirche gebaut).

Die Gebühren für Beerdigungen innerhalb des Ortes (mit Leichentransport auf Totenwagen zum Friedhof) werden von 7 auf 10 Mark erhöht.

Maskenball des FCV im Jungenfeldschen Garten – Eintritt 1 Mark. Kreppelkaffee im Turnerheim für 2 Mark mit Kaffee und zwei Kreppeln.

Lebensmittelpreise bei Buderus, Bahnhofstraße 28: für 1 Liter Speiseöl 2,30, Schmalz das halbe Kilo zu 1,65, Margarine 1,20 (2. Qualität 0,85) – (der Preis relativiert sich bei einem Blick auf den durchschnittlichen Stundenlohn von 1,50 bis 2,20).

Feuerwehr, Radfahrer und FCV veranstalten wieder Maskenbälle in Krone und Jungenfeldschem Garten am Fastnachtswochenende.

Der Sparverein „Fidelio“ zahlt am Fastnachtsfreitag um 19 Uhr 11 im Gasthaus Binnefeld die Spargelder aus. Insgesamt kamen 4 385 Mark zur Auszahlung. (In vielen Wirtschaften hing ein solcher Metallkasten, der Fächer für die einzelnen Gäste enthielt. Der Gast warf dort das Jahr über beim Besuch der Gaststätte das Wechselgeld oder mehr in sein Fach, das der Wirt bei der Bank einzahlte und an Fastnacht zum Feiern auszahlte. Dabei kam oft ein ganz ansehnlicher Betrag zusammen. Bis in die 90er Jahre hing noch eine solche Sparkiste in der Försterklause in der Kirchgasse).

 

März 1952

Aus dem Polizeibericht: „Die Gendarmerie warnt die Bevölkerung vor gewissen „Veronikas“, die sich in letzter Zeit in Finthen um Umgebung um „Nachtquartiere“ bemühen. Wer und was „Veronikas“ sind, sowie was sie treiben, darüber bedarf es wohl keine Aufklärung. Die Vermieter setzen sich lediglich der Gefahr aus, angezeigt zu werden.“

Der Gemeinderat beschließt den Bau einer neuen 125 Millimeter Niederdruckleitung vom Wasserwerk zur Turnerstraße, um „Finthens Wasserkalamität“ zu beheben. Kosten 45 000 Mark.

Das Rote Kreuz veranstaltet im Turnerheim wieder Erste Hilfe Kurse mit Dr. Meier (der seine Praxis in der Mainzer Straße – heute Flugplatzstraße 2 - hatte).

 

April 1952

Das Freiplatzgelände vor dem Ehrenmal an der Kirche wird zur Grünanlage mit Sitzbänken umgestaltet.

Das Sammeln von Weinbergschnecken – beliebter Zuverdienst vieler Finther – ist in der Zeit vom 01. März bis 31. Juli verboten. Sammler brauchen einen Sammelausweis vom Landratsamt. (Eine Sammelstelle befand sich in den 60er Jahren in der Mühltalstraße bei Karl Bender.)

Am Ostersonntag findet das zweite Radrennen „Rund um das Hessendenkmal statt“. Die Jugendklasse fährt drei Runden, die Erwachsenen 8 Runden. Sieger des Großen Rennens wird der Mainzer Podesta vor seinem Kameraden Wenninger.

66 Kinder gehen zur Erstkommunion.

 

Mai 1952

Im Nachrichten Blatt schreiben b (Albert Becker), sz (Hans Zadrazil – verstirbt im Oktober mit 37 Jahren) und j (?).

Der Reit und Fahrverein feiert sein 25jähriges Jubiläum mit 125 Pferden aus 10 Vereinen. Morgens gibt es einen Festkommers, mittags ein Springturnier auf dem Sportplatz. Auch Dressur, Jagdspringen und ein Gespannwettbewerb werden ausgetragen. Abschluss ist ein abendlicher Ball in der Krone.

Die Fußballer von Fontana Finthen beschweren sich danach über den unbespielbaren Zustand des Platzes und verlangen von der Gemeinde, dass der Platz wieder in einen bespielbaren Zustand versetzt wird.

Die Finther Boxer bezwingen Alzey mit 14:4. Der Hauptkampf mit Friedel Hornberger endet mit Aufgabe des Alzeyer Gegners Späth in der 5. Runde.

 

Juni 1952

Die hinteren Teile der Kirchgasse und die Neugasse werden neu geteert.

Der Gemeinderat tagt „im mit neuen Gardinen repräsentativ dekorierten Sitzungssaal“: Man beschließt: Der Bach zwischen Budenheimer Straße und Endhaltestelle wird „reguliert“. Die Feldbergstraße und der Verbindungsweg zur Borngasse werden fest ausgebaut. Für den Omnibusverkehr der Opelarbeiter wird eine Haltestelle in der Jungenfeldstraße eingerichtet.

Dem Landwirt Ludwig Hochhaus wird die gemeindliche Eberhaltung übertragen.

Die Fronleichnamsprozession geht durch die Finther Straßen vorbei an den Außenaltaren Borngasse, Taunusstraße, Kreuzung Neugasse – Ludwigstraße und Kirche. Die Kirchenmusik spielt, Rektor Preller trägt das allerheiligste Sakrament.

Der neu renovierte Totenwagen ist wieder einsatzbereit (er steht am Weg zum alten Friedhof hinter dem Ehrenmal). Für diesen Zweck wird eine Lagerhalle erstellt (heute von den Radfahrern genutzt).

Die „Adler Lichtspiele“ spielen jeden Freitag und Samstag um 20 Uhr 30 und Sonntag 18 Uhr und 20 Uhr 30. Eintritt 1 Mark. Am 13. Juni wird „Neptuns Tochter“ gegeben. „Stars von Weltruf (Esther Williams), Schlager von Format, Badeschönheiten, Humor, Liebe und farbigen Wasserrevuen. – Ein Film, der jeden begeistert.“ Die Vorwoche zeigte „Grün ist die Heide“, „erfolgreichster deutscher Farbfilm“. An Festtagen und großen Vereinsjubiläen wird auch montags ein Film gezeigt.

„Fetter Fang der Finther Gendarmerie“: „Es trug sich dieser Tage zu, dass die Gendarmerie in ein Finther Gasthaus gerufen wurde, um einem weiblichen Wesen die schuldig gebliebene Zeche und den richtigen Namen zu entlocken. Etwas moralisch zerknittert stand die „Dame“ vor dem Beamten ohne Geld und ohne jegliche Ausweispapiere. Sie erzählte dann, wie sie im Hunsrück Anhalter spielte und mit einem motorisierten Vertreter für Gummiwaren Glück hatte. Gemeinsam ging es nach Kempten in ein nettes Weinlokal. Der Rebensaft mundete und man wurde immer zutraulicher zueinander. In bester Abenteuerlaune wurde dann die Autopartie fortgesetzt. In Finthen hatte man das Bedürfnis nach Ruhe und was liegt näher, als ein Gasthaus aufzusuchen und für eine Nacht Mann und Frau zu spielen? Ganz so weit kam es aber nicht. Nach dem eingenommenen Mahl verabschiedete sich der „Ehemann in Spee“ mit dem Bemerken, noch etwas erledigen zu müssen und fragte, ob er das Zimmer gleich oder später bezahlen solle. Da er einen guten Eindruck machte und sich im Zimmer ein lebendes Pfand befand, wurde ihm Vertrauen gewährt. Dass es einem Unwürdigen zuteil wurde, stellte am nächsten Morgen nicht nur der Gastwirt sondern auch Frl. Anhalterin fest. Ermittlungen des Gendarmen ergaben, dass die „Dame“ nicht nur von der Staatsanwaltschaft Hamburg sondern auch von der gleichen Behörde in Karlsruhe gesucht wurde. Die Autopartie endete somit im Mainzer Untersuchungsgefängnis.“

Franz Maar gibt bekannt, dass er mit Frau ab 01. Juli das Gasthaus „Weißes Ross“ übernimmt.

 

Juli 1952

63 Jungen und Mädchen werden mit einem Festnachmittag im Jungenfeldschen Garten nach dem 8. Schuljahr aus der Volksschule entlassen.

Aus dem Polizeibericht: „Vier junge Finther Burschen im Alter von 17 bis 19 Jahren „bedienten“ in den Abendstunden einen fast fabrikneuen Mercedes Benz um eine nächtliche Spritztour zu unternehmen. Der Tat folgte jedoch die Strafe auf dem Fuße. Die Schwarzfahrer kamen nämlich nur bis zur Mainzer Straße, wo ihnen eine Straßenlaterne im Wege stand, die mit hoher Geschwindigkeit auf Kosten des Fahrzeuges, das erheblich beschädigt worden ist, aus dem Wege geräumt wurde. Der vierte Bursche zog sich derart erhebliche Verletzungen zu, dass er in ein Mainzer Krankenhaus überführt werden musste.“

„Der Durchgangsverkehr in Finthen hat sich im Monat Juli erheblich vermehrt, vorwiegend sind es Kraftfahrzeugreisende aus Dänemark, Schweden und der Schweiz, die in Finthen Einkehr halten, nach Möglichkeit übernachten und sich an den kulinarischen Genüssen aus Küche und Keller laben. In der Regel sind jeden Tag sämtliche Übernachtungsmöglichkeiten erschöpft.“

 

August 1952

Der Turnverein begeht sein 80jähriges Jubiläum mit einem Festkommers am Samstag, 16. August. Festgottesdienst und Totenehrung folgen am Sonntag, ab 13 Uhr läuft ein großer Festzug durch Finthen. Albert Becker: „Finthen hat in den letzten Jahren einen solch farbprächtigen Festzug noch nicht erlebt. Finthen übertraf sich selbst beim Jubelfest.“

Den Sonntag beschließt ein großer Festball im Saalbau Korne. Montags Ausklang mit Frühschoppen und ab 15 Uhr einem Volksfest mit Kinderbelustigung vor dem Jungenfeldschen Garten.

Die Mieter in den Heimstättenhäusern am Weisel ziehen ein.

Die Hühnerpest geht im Landkreis um. Klein Winternheim ist Sperrgebiet. Der Finther Geflügelzuchtverein rät zur Schutzimpfung aller Hühner.

 

September 1952

„Eine der wenigen Gemeinden, die mit gewissem Traditionsempfinden ihre Kerb feiern, ist Finthen. Am kommenden Sonntag und Montag, sowie am 21. September gedenkt Finthen seiner Kirchweihe mit allen überlieferten Gepflogenheiten. Bereits am Samstagnachmittag ist der Kerbejahrgang 1932 auf dem Posten, den Kerbebaum zu pflanzen (am Dalles) und allerlei Scherze auszuhecken….“.) Im Saalbau Albert Müller spielen Sonntag und Montag von 16 bis 4 Uhr die „Gonsenheimer Dorfspatzen“ unter Leitung von Willy Frömmelt und am Kerbedienstag wird ein „Rheinischer Abend mit Hauskapelle, Edith Rath und Willy Brandmüller“ (Spinat) gegeben.

Das Land hat „aus finanztechnischen Gründen“ die 1951 gewährten Schlüsselzuweisungen von 17 481 Mark und die für 1952 vorgesehen 17 400 Mark zurückgefordert bzw. gestrichen. Die Gemeinde gleicht dies durch einen Vorgriff auf die Haushaltsreste 1953 aus, eigentlich erst 1953 fällig, was aber heißt, dass das Defizit nur verschoben ist. Der Gemeinderat „erhebt schärfsten Einspruch“ und verlangt eine Stundung der Rückzahlung.

Wilhelm Friedrich Schmitt, Bahnhofstraße (Touristenheim) erhält im Kurfürstlichen Schloss von Ministerpräsident Altmeier den Verdienstorden der Bundesrepublik.

Ludwig Hochhaus („Appelsaft Hochhaus“) bietet an: „Äpfel keltern – fertigen Apfelmost im Fass. 1 Zentner Äpfel ergibt 30 Liter Most. Kelterlohn 2 Mark. Jedes Quantum wird umgetauscht.“

„Tag der Meister“. Das 5. Gala Saalsportfest des Verbandes veranstaltet der Radfahrerverein in der Krone. Alle Meister des Mittelrheinischen Radfahrerverbandes (Hechtsheim, Wörrstadt, Klein Winternheim, Budenheim, Appenheim, Gau Algesheim, Ober Olm, Undenheim, Selzen) fahren im Gruppen- und Kunstfahren.

 

Oktober 1952

Aus der Finther Polizeimappe: „Ein Gleiskettenfahrzeug der amerikanischen Besatzungsmacht wollte in die Bahnhofstraße einbiegen, wurde aber durch die hohe Geschwindigkeit aus der Kurve getragen und rannte gegen das Haus. Das Fahrzeug wurde stark beschädigt und musste abgeschleppt werden. Ein Landwirt mit seinem Fuhrwerk wurde spät abends von angetrunkenen amerikanischen Soldaten angefahren, wobei erheblicher Schaden am Fuhrwerk entstand. Ein junges Mädchen aus Budenheim, das sich auf dem Weg durch den Wald zur Finther Kerb befand, wurde angeblich in der Nähe des Gasthauses zum Lenneberg von einem Besatzungssoldaten überfallen und genotzüchtigt. Die Untersuchungen über den Sachverhalt sind im Gange.“

Polizei Dienststellenleiter Karl Dörrschuck begeht sein 40jähriges Dienstjubiläum.

Reinhold Silz wird zum neuen Vorsitzenden des FCV gewählt. Vorträge und Lieder für die neue Kampagne sind bis 05. November bei ihm einzureichen.

Die 5 Nikols des Turnvereins belegen den vierten Platz bei den deutschen Meisterschaften in Lüdenscheid.

 

November 1951

Am 9. November wird der Finther Gemeinderat gewählt (Wahlvorschläge siehe Kopie)


Ergebnis:

SPD 1 028 Stimmen 8 Sitze

CDU 1 258 Stimmen 9 Sitze

KPD 542 Stimme 2 Sitze


Gemeinderäte:


CDU

Ludwig Wilhelm Lehr, August Gabel, Karl Hochhaus, Nikolaus Jakob Schmitt, Rudolf Schneider, Albert Franz, Karl Hermann Geyer, Philipp Jakob Schäfer, Johann Fleck.


SPD

Ludwig Franz Heeb, J. Scherf, Philipp Jakob Silz, Friedrich Karl Elsner, Josef Beitz, Georg Martin Heinrich Silz, Richard Nack, Adam Franz Wenz


KPD

Philpp Jakob Veit IV, Johann Heinrich Rehm


Kommentar Albert Becker: „Die Schlacht ist nun geschlagen, die Finther Einwohnerschaft hat gesprochen. Die kommunalen Abgeordneten sind bekannt. Hoffen wir, dass sie, die seit Wochen um unsere Gunst geworben und uns alles Mögliche versprochen haben, dass sie es besser machen. Hoffen wir auch, dass die Erregung aus der Zeit des Wahlkampfes nun abklingen wird.“ Eine Woche später wünscht er sich, „dass die Plakate und sonstigen Propagandazitate, die in den letzten Tagen vor der Wahl die Häuser, Mauern und Zäune „verschönerten“, nun bald wieder aus dem Ortsbild verschwinden.

Der Sechser Kunst des Radfahrervereins Finthen wird bei den deutschen Meisterschaften in Hamburg 12ter.

Der Preis für eine Tafel Markenschokolade bei Wilhelm Buderus, Bahnhofstraße kostet 0,70 Pfennig bis 1,50 Mark die Gute. (nochmal: Stundenlohn 1,50 bis 2,20). Ein Kuba Musikschrank im Elektrogeschäft Becker (17 Kreise, 10 Röhren, Phonoteil für Langspiel und Normalplatten kostet 585 Mark. Anzahlung 120 Mark, dann 10 Monatsraten.

Die Landesgeflügelausstellung, das „Mekka aller Geflügelzüchter“ findet vom 27.bis 29. November mit mehr als 1 000 Tieren in der Krone statt.

Der Gemeinderat wählt in seiner ersten Sitzung zwei Beigeordnete. Ludwig Heeb (SPD) wird erster, Ludwig Lehr (CDU) zweiter Beigeordneter.

 

Dezember 1952

Am 7. Dezember ist verkaufsoffener Sonntag in Finthen. Motto am Silbernen Sonntag: „Lauf nicht fort, kauf am Ort.“

In der Gewann „Wolfskaut“ wurde ein Spargelhäuschen in Brand gesetzt. „Man nimmt an, dass wieder Jugendliche am Werk sind.“ 100 DM Belohnung für Hinweise auf die Täter.

Die französische Militärbehörde forderte eine Ausweisung von Grundstücken zum Bau von Wohnungen für Unteroffiziere. Dies werden am Weisel (heutige Huttenstraße) errichtet. (Bei älteren Finther wurden diese Häuser noch lange nach der Übergabe an die Amerikaner „Die Franzosensiedlung“ genannt.)


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