Unser Vereinsheim

Ein Haus mit Geschichte

Das Vereinsheim des Heimat- und Geschichtsvereins Finthen befindet sich im zweiten Stock des Gebäudes Poststrasse 69 und damit in der ehemaligen Bürgermeisterei der bis 1969 eigenständigen Gemeinde Finthen. Das Gebäude hat, wie viele Finther Häuser, seine ganz eigene Geschichte, die von etlichen Um- und Anbauten, von Aufstockungen und Erweiterungen und von Funktionsänderungen geprägt ist. Seit der Erbauung des ursprünglichen Hauses, bis heute ist es nicht zur Ruhe gekommen, zuletzt haben wir im Frühjahr 2003 die letzten Innen-Umbauten vorgenommen. 

 

Colonialwarenandlung Veit-Becker1895 errichtete Herr Veit-Becker in der damaligen Hauptstraße eine „Colonialwarenhandlung“. Im deutschen Reich regiert Kaiser Wilhem I. Das junge Reich besitzt einige Kolonien aus denen exotische Waren ins Mutterland importiert werden. Auch in Finthen gibt es mehrere Kolonialwaren-Handlungen, so auch die von Veit-Becker.

Ein Bild des damaligen Gebäudes ist uns auf einer Postkarte von 1913 erhalten geblieben. Rechts sehen Sie den Ausschnitt aus dieser Karte. Auf dem Bild können wir die Colonialwarenhandlung als einen 1 1/2 geschossiges Haus erkennen. Der Bau ist symmetrisch gegliedert, der Eingang befindet sich in der Mitte, darüber das Firmenschild. Links und rechts davon sind große Schaufenster erkennbar. Über dem Eingang springt ein Mittelgiebel mit zwei kleineren, gekoppelten Rundbogenfenstern aus dem traufständigen Dach hervor. Giebel und Eingangstür bilden die vertikale Achse des Gebäudes. Im Vordergrund können wir die heutige Poststraße als Schlammwüste erkennen. Rechts grenzt das ehemalige "Gasthaus zum Engel" an das Veit-Beckersche Anwesen. Der "Engel" ist zu diesem Zeitpunkt bereits Bestandteil des Klosters der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung.

 

Poststraße 69 1906 1906 präsentiert sich der gleiche Bau bereits völlig verändert. Das ursprüngliche Haus, rechts im Bild, wurde aufgestockt und hat ein Mansardendach erhalten. Der einst dominierende Mittelgiebel ist nun in der Wand des ersten Geschosses aufgegangen. Die Schaufenster sind noch gut erkennbar, die ehemalige Tür mit den innenliegenden Stufen dagegen wurde zu einem Fenster umfunktioniert. An Stelle der alten Hofeinfahrt befindet sich nun ein unterkellerter, eingeschossiger Backstein-Anbau mit Dachterrasse und aufwendig gestalteter Brüstung, daneben ein kleine Zugangstor in den Hof. Wahrscheinlich wurde das Gebäude zu diesem Zeitpunkt als Wohnhaus genutzt.

 

Die Baupläne von 19251925 erwirbt die Gemeinde Finthen die ehemalige Kolonialwarenhandlung Veit-Becker als Ersatz für das alte, zu klein gewordene Rathaus am Dalles. Das Haus wird im großen Stil erweitert. Auf den eingeschossigen Backstein-Anbau wird ein Obergeschoß gesetzt, darüber ein Mansardendach, aus dem ein neobarocker Giebel herausspringt, der fortan das Haus prägt. Die alte Eingangsbereich der Kolonialwarenhandlung wird reaktiviert und dient nun als Zugang zur Bürgermeisterei. Die ehemals symmetrischen Konturen des Veit-Becker‘schen Anwesens lassen sich nur noch an Hand der vormaligen Schaufenster und der Tür erahnen. Aus dem kleinen 1 ½-geschossigen Häuschen ist ein repräsentatives Verwaltungsgebäude geworden, das bis 1969 als „neues Rathaus“, bzw. zwischen 1969 und 1973 als Ortsverwaltung seinen Zweck erfüllt.

Das verfallende Gebäude vor 2000.Mit der Eingemeindung 1969 war das Gebäude in städtisches Eigentum übergegangen. Teil des Eingemeindungsvertrages war die Errichtung eines Bürgerhauses, das ab 1972 als „Fontana-Halle“ errichtet wird. Ein Name, der sich nie durchsetzen wird. 1973 verlegt die Ortsverwaltung ihren Sitz in das neue Bürgerhaus, das „neue Rathaus“ von 1925 hat ausgedient. Ab 1973 diente es verschiedenen Institutionen als Unterkunft, darunter die städtische Altentagesstätte; die von der Arbeiter Wohlfahrt betrieben wird, das Jugendzentrum und zeitweise dem Ortsverband des Roten Kreuzes. Im zweiten Obergeschoss befindet sich eine Sozialwohnung. Diese wird Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre wegen Eigenbedarfs der Stadt Mainz zu Gunsten der Erweiterung des Jugendzentrums aufgelöst. Zu dem Umbau kommt es allerdings nicht, die Wohnung steht über Jahre leer. Das Haus verfällt zusehend.

 

Das renovierte Gebäude.Im Jahr 2000 wird das Haus Poststraße 69 von Grund auf renoviert. 2003 trifft der HGV eine Vereinbarung mit der Stadt, übernimmt die ehemalige Wohnung und baut sie geringfügig für seine Zwecke um. Damit erfüllt sich ein lange gehegter Traum, nämlich eigene Räume mitten im Ort an historischer Stelle zu beziehen. Auf ca. 100 qm stehen uns ein Versammlung-/Ausstellungsraum und vier kleinere Räume für Büros und Archive zur Verfügung. Die dort statt findenden Wechselausstellungen gehören mittlerweile zum kulturellen Angebot in Finthen.

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